Josquin ist der noten meister, die habens müssen machen, wie er wolt; die anderen Sangmeister müssens machen, wie es die noten haben wöllen.
Martin Luther

Josquin – Zu Lebzeiten ein Star

Josquin – Zu Lebzeiten ein Star

Josquin des Préz (1450/55-1521) erreichte als Komponist bereits zu Lebzeiten in ganz Europa einen enormen Bekanntheitsgrad.

Trotz wechselnder musikalischer Stile und Moden erklangen seine Kompositionen regelmäßig auch in den nachfolgenden Jahrhunderten – die Faszination an seinem Werk riss bis auf den heutigen Tag nicht ab.

Josquins Geburtsregion in der Grenzlage zwischen Frankreich und der burgundischen Provinz Hainault wies seit dem hohen Mittelalter eine enorme künstlerische Vielfalt auf. Nach seiner ersten musikalischen Ausbildung führten Josquin Anstellungen unter anderem an die politisch und kulturell bedeutsamen Höfe von Mailand und Ferrara, an den französischen Königshof sowie die berühmte päpstliche Kapelle in Rom. Die letzten 17 Jahre seines Lebens verbrachte er als hochrangiger Kleriker in Condé sur l'Escaut, nahe seines Geburtsortes.

Bekanntschaften pflegte er mit zahlreichen Persönlichkeiten der Zeit, von prominenten Musikerkollegen bis hin zu gekrönten Häuptern. Der Kompositionsstil Josquins setzte sowohl bei seinen Zeitgenossen als auch bei nachfolgenden Generationen Maßstäbe. Aufgrund seiner hohen Popularität wurden seine Werke vielfach gedruckt: Der venezianische Verleger Ottaviano Petrucci widmete ihm eine dreibändige Edition von Messen, Tylman Susato gab in Antwerpen eine Chanson-Sammlung heraus. Andererseits blühte schon im 16. Jahrhundert ein umfangreiches Fälschungsgewerbe: Einzelne Verleger gaben fremde Kompositionen als Josquin-Werke aus, um deren Wert zu erhöhen.

Aber nicht nur unter Musikerkollegen genoss Josquin ein hohes Ansehen. Eines der bedeutendsten zeitgeschichtlichen Ereignisse, das in die Lebzeiten des Komponisten fiel, war ohne Zweifel die 1517 durch Martin Luther ausgelöste Reformation. Für Luther besaß die Musik im Kontext seiner Theologie eine überragende Bedeutung. Dabei waren es in besonderer Weise die Kompositionen des katholischen Klerikers Josquin des Préz, die Luther als beispielhaft für gottesdienstliche Musik ansah.

Zum Kammerchor Josquin des Prez Josquin – das Finale